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applyED
Projekt für angewandte IKT Ausbildung und Bewusstseinsbildung für freie Software

"Willst du für ein Jahr vorausplanen, so baue Reis an. Willst du für ein Jahrzehnt vorausplanen, so pflanze Bäume. Willst du für ein Jahrhundert planen, so bilde Menschen aus!"

(Zhuangzi - chin.Philosoph *4.Jht.v.Chr)


Die Überzeugung, dass Bildung die Grundlage für die Zukunft jedes Einzelnen aber auch für die ganze Gesellschaft ist, findet erfreulicherweise bei sehr vielen jungen Menschen in Ghana Zustimmung und so gibt es einen großen Bildungshunger. Bildung wird sich künftig noch mehr als bisher der modernen technischen Mittel und Möglichkeiten bedienen. Um hier einen unterstützenden Beitrag zu leisten, haben wir unser Projekt gestartet.

Ausgangslage

In Ghana findet in jeder Mittel- und Oberschule Computerunterricht statt. Leider passiert dies wegen fehlender Ausstattung fast ausschließlich theoretisch. Oft werden für Klassen von 40 und mehr Schülern fünf oder weniger Computer zur Verfügung gestellt. Zusätzlich werden diese häufig nicht gewartet und sind nach spätestens 2 Jahren nicht mehr einsetzbar – sofern sie überhaupt eingesetzt werden. In den meisten Fällen führt das dazu, dass die verschiedenen Funktionen in Klassenräumen auf der Tafel erklärt werden.

Durch diese bedauerlichen Unterrichtspraktiken werden die Schüler nicht nur desillusioniert, sondern sie verlassen die Schulen ohne grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Computern und werden effektiv ihrer im Lehrplan vorgesehenen Ausbildung beraubt.

Unterricht ohne Computer

Projektziel

Pro Jahr wurden je zwei Schulen mit von Leodegar Kneissler in Tirol gesammelten und gewarteten Geräten ausgerüstet, was von den derzeitigen Zahlen ausgehend bedeutet, dass im Jahr 2020 394 Schüler*innen die Schule mit dem in der modernen Berufswelt notwendigen Computerwissen abschließen und somit Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz haben.

Diese Zahl wird durch die derzeitige Vergrößerung der Schulen in Gushegu und Busuama in den nächsten drei Jahren deutlich steigen.

Nach den zwar positiven Erfahrungswerten in den einzigen Stadtschulen in Kintampo wurde mit dem Hintergedanken, die leider für Einzelpersonen oft schlecht endende Urbanisierung nicht zu fördern, sonder eine Stärkung des ländlichen Raumes zu erwirken, nach der Partnerschaft mit Kintampo beschlossen das Projekt nun nur im ländlichen Raum zu erweitern.

Computerschule in Gushegu

Auch die Lehrer*innen werden im Umgang mit freier Software geschult, um die in Ghana noch stark vorhandenen Monopolstellungen am Softwaremarkt zu durchbrechen und den zeitgerechten Zugang zu Informationstechnologie zu ermöglichen. Eine der zu unterzeichnenden Bedingungen ist die autonome Fortführung nach Projektabschluss.

Bereits vor offiziellen Projektbeginn wurden 22 Computer und zusätzliche Peripherie an die Schule in Hani übergeben. Dadurch ist diese Schule zwar nicht offiziell in das Projekt eingebunden, gibt aber freiwillig Berichte ab und dient – auch weil es keine schriftliche Vereinbarung gibt – als Schulversuch, an den die neuen Projektpartner angepasst werden können.

Auf Grund dieser inoffiziellen Zusammenarbeit wurde ApplyED auch zur Grundsteinlegung für die neue, größere Computerklasse in Hani eingeladen. Auf Grund der Art der für das Projekt gespendeten Computer, wurden in Hani ursprünglich Tastaturen mit deutschem Layout verwendet. Bereits vor der Grundsteinlegung wurden diese mit Stickern in englische umgewandelt. Diese Sticker sind auch für alle folgenden Schulen im Einsatz.

Grundsteinlegung in Hani

Abgesehen vom der großartigen Bereitschaft zum Bau eines neuen Klassenzimmers für die Computer, ist auch die Initiative des Eltern-Lehrer-Vereines von Hani zu bemerken, der für die Nächte einen Sicherheitsmann engagiert hat.

Weiters wurde am Rande der Grundsteinlegung die Gelegenheit wahrgenommen, die Aussagen der Lehrer über den Lernfortschritt im Einzelgespräch mit zufällig gewählten Schülern zu bestätigen. Sehr zu meiner Freude wurde außerdem auf Grund der großen Nachfrage, das Unterrichtsangebot von den ursprünglich geplanten 6 Schulstufen auf alle neun ausgeweitet wurde (Zur Erklärung: Die Volksschule in Ghana dauert sechs Jahre, die Mittelschule drei. Geplant war von der vierten Klasse Volksschule an IKT Unterricht anzubieten).

Auf Grund des in Kintampo ansässigen Bezirksschulrates (District Education Office) wurde eine Kooperation mit Kintampo angedacht und erste Gespräche mit dem Ortspfarrer von Kintampo und den beiden Direktoren der auf Grund der Größe in zwei Schulen geteilten r.kath. Schule waren vielversprechend. Die ersten Gespräche in Kintampo fanden auf Grund von glaubwürdigen Empfehlungen aus mir aus der ghanaischen und der mitteleuropäischen Steyler Provinz (zu der auch Tirol gehört) bekannten Quellen bereits im Bewusstsein eines kurz bevorstehenden Priesterwechsels statt.

Diese Kooperation erleichterte auch weitere Zusammenarbeit mit den Erziehungsbehörden in anderen Orten.

Durch den angesprochenen Priesterwechsel kam es zu einer dreimonatigen Übergangsperiode in der die Pfarre in Kintampo von einem nicht entscheidungsberechtigten Priester liturgisch begleitet wurde. Trotz dieser Übergangsphase wurde in dieser Zeit die Sicherheit im bereits vorher bestimmten Klassenzimmer durch Eisengitter, die im Inneren der Fenster verbaut sind verbessert.

Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in Kintampo

Weiters gab es ein informelles Treffen, bei dem die Ausstattung des Raumes geplant wurde. Es wurde dabei eine Variante gewählt bei der vier große Tische mit jeweils vier Schülern pro Seite in der Mitte des Raums stehen; dadurch wird ein offenes Klima geschaffen und individuelles Lernen gefördert, das für die eingesetzte Software grundlegend ist.

Etwa ein Monat nach der Übernahme der Pfarre durch den neuen Priester wurde in Kintampo eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Computer wurden bald darauf übergeben und der Unterricht im folgenden Semester begonnen.

Nach dem ersten erfolgreichen aber durch lokale Gegebenheiten überteuerten Import, begann eine engere Zusammenarbeit mit dem ghanaischen SVD‑Büro für Entwicklungszusammenarbeit. Genau bedeutet das, dass die Schulen gemeinsam mit der SVD Provinz ausgewählt wurden und das Projekt auf die Infrastruktur der ghanaischen Bischofskonferenz zurückgreifen konnte. Letzteres war die Importmethode für Hani und wurde bei einer Ersatzteilsendung per Luftpost wieder als erfolgreich und deutlich kostengünstiger bestätigt.

Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in Gushegu

Die erste gemeinsam mit der SVD Provinz ausgewählte Schule war die Pfarrschule in Gushegu. Diese wurde vor kurzem baulich erweitert um bald auch eine Junior High School zu betreiben und hat wegen dem nun stattfindenden Computerunterricht innerhalb von 3 Monaten und trotz der bereits erfolgten Erweiterung einen neuen Computerraum errichtet.

In Gushegu handelt es sich um eine neu gegründete r.kath. Schule, die im Besitz der Pfarre und unter der operativen Leitung derMissionary Sisters of the Poorest of the Poor (MSPP – ein nigerianischer Frauenorden) steht. Derzeit wird bis zur 6. Klasse Volksschule unterrichtet, jedes Jahr kommt eine neue Klasse dazu (nach dem in Ghana üblichen System: 6 Jahre Volksschule, 3 Jahre Mittelschule).

Nach der Installation der Computer in Gushegu konnte applyED den Unterricht eine Woche lang beobachten. Innerhalb der ersten Doppelstunde konnten alle Viertklässler 5 Buchstaben lange Wörter tippen. Die Lehrer*innen wurden in das verwendete System eingeführt und allen voraus fragten die Schwestern – unter ihnen die Direktorin – nach ausführlicherem Unterricht.

erste Unterrichtsstunde in Gushegu

Bei darauf folgenden‚ Besuchen schrieben Schüler bereits selbstständig in Textverarbeitungsprogrammen.

Ein an dieser Stelle zu erwähnender Punkt ist die Ausbildung der Lehrer*innen in Ghana: mit Masse werden sogenannte Pupil Teachers eingesetzt; dabei handelt es sich um Mittelschulabsolvent*innen, die eine Prüfung ablegen um zum Unterricht zugelassen zu werden. Die verwendeten Programme sind alle auf Kinder ausgerichtet und entsprechend gestaltet. Die Schwestern in Gushegu verwenden genau diese Programme um sich selbst weiter zu bilden und die Kinder sinnvoll ausbilden zu können.

Gushegu befindet sich im Norden Ghanas. In Ghana ist, in so gut wie jedem Bereich, ein extremes Nord-Süd sowie Land-Stadt Gefälle festzustellen. Der spärlich bewohnte Norden leidet unter starker Abwanderung, da im Süden besser Einkommensmöglichkeiten erwartet werden. Dadurch werden ältere Generationen auf sich gestellt. Weiters gibt es außerhalb Gushegu – wie in vielen Dörfern im Norden Ghanas – ein sogenanntes Hexendorf; dabei handelt es sich um Frauen, die aus diversen Gründen von ihren Familien verstoßen wurden.

Aus diesen Gründen wurde als Besonderheit in der Kooperationsvereinbarung in Gushegu festgehalten, dass die Computer, sofern sie nicht von der Schule benötigt werden, für die freiwillige Weiterbildung des gesamten Dorfs zur Verfügung stehen. Dabei dürfen die Schwestern, die eben erwähnten als Hexen verstoßenen Frauen und die Arbeiter der von der Pfarre geleiteten Wasserfabrik gratis an den Kursen teilnehmen. Alle restlichen Unterrichtsteilnehmer leisten einen Beitrag zur Entwicklung der Pfarre und des Ortes.

Unterricht mit den MSSP Schwestern in Gushegu

Gushegu war die erste Schule an der der neue einheimische Projektbetreuer Sampson Dzivor beteiligt war.. Leider konnte dieser auf Grund seiner angestrebten Universitätsausbildung bereits 2017 seine Tätigkeiten nicht mehr zufriedenstellend wahrnehmen, weshalb er während eines Kontrollbesuches durch Shadrach Yaw Bichala ersetzt wurde, der bis heute mit Begeisterung als Projektbetreuer im Einsatz ist.

Er kümmert sich um die Betreuung der Schulen und auch um die Erweiterung des Projektes.

Seine Einschulung in die neue Position fand im ersten Halbjahr 2018 statt.

Während dieser Phase wurde auch der Kontakt mit der von ihm bereits als potentiellen Projektpartner identifizierten Schule in Sambule gefestigt und ein offizielles Treffen fand statt.

Wie auch Gushegu befindet sich Sambule in der Northern Region. Es handelt sich um ein Grenzdorf zu Togo. Der Unterricht der öffentlichen Volks- und Mittelschulen auf dem Grund der Pfarre Sambule Holy Cross wird von einer Mischung aus staatlichen Lehrern und Schwestern der Kongregation Sisters of Jesus, Mary and Joseph geführt.

Wie auch in Gushegu stehen die Computer nach dem Unterricht auch der Gemeinde für Unterrichtszwecke zur Verfügung.

Die Computer wurden im zweiten Halbjahr 2018 ausgeliefert (Bild links) und die Einschulung der Lehrer begann.

erste Besprechung in Sambule

Nach der Kontaktaufnahme mit Sambule und dem Zustandekommen der Kooperation begann eine Reihe von gemeinsamen Schulbesuchen in allen bereits kooperierenden Schulen.

Im Zuge dieser konnte erneut die starke Begeisterung am IKT-Unterricht vorallem im ländlichen Raum festgestellt werden.

Unter anderem wurde das neu errichtete Gebäude in Gushegu besucht und einige Wartungsmaßnahmen, die durch den Umzug notwendig waren durchgeführt.

Im Anschluss an diese Besuche begann die Importphase. Die von der neuen Regierung geplanten Maßnahmen zur Stabilisierung des Staatshaushaltes brachten unter anderem auch die Streichung der Zollfreiheit für Hilfslieferungen mit sich. Auf der Suche nach finanziellen Erleichterungen verbrachte applyED einige Zeit im Haupthafen in Tema, sowie im Nebenhafen in Takoradi.

Import

Nach ausführlichen Sondierungen wurde hier festgestellt, dass ein weiterer Import jeden finanziellen Rahmen sprengen würde und nach dem bereits veranlassten Transport von 2018 das Projekt mit den bereits im Land befindlichen Geräten fortgeführt wird.

Diese Entscheidung fiel zeitgleich mit der endgültigen Übergabe des Projektes an Shadrach Yaw Bichala. Auf Grund der nun weggefallenen Kosten für Importe wird das Projekt seit 2019 rein aus Privatmitteln und ohne öffentliche Subventionen finanziert.

Unterricht in Hani

Nach seiner offiziellen Übernahme der Projektverantwortung im Land nahm Shadrach Yaw Bichala Kontakt mit der r.kath. Privatschule in Kukuom auf, mit der bereits im Vorfeld Gespräche geführt wurden. Auf Grund eines inzwischen dort stattgefundenen Führungswechsels und der nun bestehenden Zusammenarbeit mit anderen Sponsoren kam es hier allerdings zu keiner Kooperation.

Die letzten gelieferten Geräte wurden nach Vorverhandlungen in Busuama, Brong/Ahafo Region – einer Außenstation der Pfarre New Longoro St. Thomas eingesetzt.

Nach der erfolgten Installation wird auch hier wieder mit der Lehrerausbildung und im neuen Schuljahr mit dem Unterricht begonnen.

Derzeit werden in Hani 352 Schüler*innen ausgebildet. 49 schlossen 2016 die Schule mit Computerkenntnissen ab.

In Kintampo gab es 906 Schulbesucher 183 davon schlossen Volksschule oder Mittelschule ab.

Die Schule in Gushegu konnten 2018 die ersten 13 Schüler*innen ausschulen und teilweise in die seit heuer bestehende Junior High School übernehmen. Im Jahr 2021 wird die erste im Vollbetrieb unterrichtete Klasse mit momentan 43 Schüler*innen ausgeschult werden. Die nun existierende Junior High School nimmt – mit den selben Geräten – ebenfalls am Projekt teil. Da beim Transport 2016 einige Geräte beschädigt wurden und die Schule damals noch einen improvisierten Computerraum benutzte waren hier weniger Geräte im Einsatz. 2018 wurde eine Aufstockung auf 22 Geräte durchgeführt, wodurch die Schule nun über die selbe Anzahl wie alle anderen verfügt.

Im Sambuli werden 512 von 793 Schülern ausgebildet, da hier nur die ersten drei Klassen noch nicht am Unterricht teilnehmen. 2019 werden 63 Absolventen erwartet.

An der Schule in Busuama lernen derzeit 340 Schüler*innen, von ihnen werden ab September 180 am Computerunterricht teilnehmen und nach einiger Zeit kann das Projekt dort voll auf beide Schulen ausgedehnt werden. Hier sind 2019 45 Absolventen – noch ohne IKT-Ausbildung – zu erwarten.

Lehrerausbildung in Sambuli

Durch Ihre Unterstützung ist es nun möglich über mehrere Semester Kindern den Schritt in das neue Zeitalter zu ermöglichen und erleichtern, und so ihre Berufsaussichten deutlich zu steigern.

Danke auch im Namen der Pfarren, Schulleitungen und Kirchenältesten, die von der merklichen Aufwertung der Schulen sehr begeistert sind.


Yenda mo ase pa! – Danke!

Eingang zum noch provisorischen Computerraum in Gushegu



Besonderer Dank gilt unseren Sponsoren: